Besondere Schwerpunkte der Lehre

Grundsätzlich sehen wir uns in Triratna primär als Buddhisten, die mit anderen Buddhisten die gleichen Grundlehren und Prinzipien teilen. Dabei setzen wir jedoch, wie jede andere Schule auch, besondere Akzente.

Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen ist das Wichtigste

Auf die Frage, was einen Buddhisten ausmacht, sind verschiedene Antworten möglich. Sangharakshita betont, dass die Zufluchtnahme zu den Drei Juwelen − also den drei großen Idealen von Buddha, Dharma (der buddhistischen Lehre) und Sangha (der buddhistischen Gemeinschaft) das Zentrale und Wichtigste im Leben eines Buddhisten ist. Gemeint ist damit eine klare existenzielle, emotionale und verstandesmäßige Ausrichtung auf das Ideal der Erleuchtung, auf die Methoden, die der Buddhismus entwickelt hat, und auf die spirituelle Gemeinschaft als Rahmen der Übung. Wenn ein Mensch sich aus vollem Herzen auf diese drei „Juwelen“ ausrichtet und sie als höchsten Bezugspunkt für sein Leben wählt, kann er sicher sein, dass er kontinuierliche Fortschritte machen wird. Andere Aspekte sind zweitrangig: ob man als Mönch/Nonne oder als Laie lebt oder welche Praktiken man übt. Solche Entscheidungen sind nicht unwichtig, aber sie leiten sich aus der Zufluchtnahme ab.

Das Bodhisattva-Ideal - ein notwendiger Aspekt von Zufluchtnahme

Zum Buddha Zuflucht zu nehmen heißt nach Erleuchtung oder Erwachen zu streben. Wenngleich Erleuchtung nicht in Worten zu beschreiben ist, wird sie oft als höchste Synthese von Weisheit und Mitgefühl beschrieben. Wirkliche Zufluchtnahme zum Ideal von Erleuchtung muss daher auch immer eine altruistische Dimension enthalten. Eine selbstbezogene Spiritualität ist ein Irrweg. Die Bemühung, das „Bodhicitta“ hervorzubringen - der Wunsch nach Erleuchtung zum Wohle aller Wesen - ist demnach keine höhere oder zusätzliche Praktik, sondern die altruistische Dimension von Zufluchtnahme.

Stromeintritt ist in diesem Leben möglich

Sangharakshita hat immer betont, dass ernsthafte Praxis noch in diesem Leben Früchte tragen kann und wird. Als „Stromeintritt" bezeichnet die buddhistische Tradition jenen Punkt in der spirituellen Entwicklung, an dem der oder die Übende transzendente Einsicht erlangt und unumkehrbar auf dem Weg zur Erleuchtung ist. Auch wenn diese Erfahrung nicht mit voller Erleuchtung gleichzusetzen ist, hat man nun die Gewissheit, nicht mehr zurückfallen zu können. Sangharakshita ist der Überzeugung, dass es bei konsequenter und intensiver Übung möglich ist, in diesem Leben Stromeintritt zu erreichen, und hat seine SchülerInnen immer angespornt, dies ernsthaft anzustreben.

Die innere Einheit des Buddhismus

Manche Menschen betrachten die frühen Schulen als authentische Form der buddhistischen Lehre und die späteren Formen als Abweichung davon. Andere wiederum betrachten die späteren Entwicklungen als „höhere" Lehren, die für die begabteren Schüler erteilt wurden. In der Triratna-Gemeinschaft sehen wir die Geschichte des Buddhismus eher als kontinuierlichen Versuch, den gleichen Wahrheiten immer neuen Ausdruck zu verleihen. Man könnte sagen, dass der Buddhismus zu allen Zeiten und an allen Orten immer das Gleiche kommuniziert hat – aber in vielen verschiedenen Sprachen. Jede Lehre, jede Methode ist nur ein „Fingerzeig", der zur unfassbaren Erfahrung von Erleuchtung weisen möchte. Wie verschiedene Finger aus unterschiedlichen Richtungen auf ein und denselben Mond weisen können, so möchten die verschiedenen Lehren auf unterschiedlichen Wegen zur selben Erfahrung führen, die man Erleuchtung nennt.

Die Lehre vom bedingten Entstehen als Fundament der buddhistischen Lehre

Das Wesen der Erleuchtungserfahrung ist nicht in Worte zu fassen - darüber sind sich alle Schulen einig. Dennoch musste der Buddha Worte verwenden, um anderen Menschen seine transzendente Einsicht zu vermitteln. Als grundlegendsten Ausdruck seiner Erfahrung in Form von Begriffen betrachten wir bei Triratna die Lehre vom „Bedingten Entstehen" aller Phänomene (Sanskrit: pratitya-samutpada). Diese Lehre besagt, dass alle Phänomene – vom flüchtigsten Gedanken bis zu ganzen Galaxien – durch eine Fülle von Bedingungen entstehen und vergehen. Sie ist die allgemeinste Beschreibung der Einsicht des Buddha und das philosophische Fundament aller anderen Lehren. So können etwa die Vier Edlen Wahrheiten oder die „Sunyata“-Lehre als Konkretisierung bzw. Ausarbeitung dieser Grundlehre angesehen werden.

Die Bedeutung von Sangha

Alle Traditionen betonen die Wichtigkeit des Sangha, der buddhistischen Gemeinschaft. In der Triratna-Gemeinschaft messen wir dem eine besonders hohe Bedeutung bei. Als soziale Wesen sind wir Menschen in hohem Grade auf die Unterstützung anderer angewiesen. Dabei ermutigt Sangharakshita seine Schüler, nicht nur die Beziehung zu erfahreneren Praktizierenden zu pflegen, die Anleitung geben können, sondern auch die Freundschaft mit Übenden auf dem gleichen Erfahrungsniveau ernst zu nehmen. Er unterscheidet also zwischen „vertikaler“ Freundschaft (zwischen Schülern und Lehrern) und „horizontaler“ Freundschaft untereinander und betont die Wichtigkeit beider. Letztere kann auch einer ungesunden Abhängigkeit vom Lehrer („Guru“) entgegenwirken.

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