„Young People“-Retreat ein voller Erfolg

Judith van de Bruck erzählt begeistert von einem Wochenend-Retreat für junge Menschen, das im September im Retreathaus Vimaladhatu im Sauerland stattfand:

Eine Revolution in Vimaladhatu An einem Freitagvormittag im September diesen Jahres, befand ich mich in einem sehr vollen Zugabteil. Und nicht nur das Abteil war voll, die meisten sich darin befindenden Personen waren es wohl auch. Um mich herum wurden fleißig Bierdosen geleert, Schnäpschen eingegossen und die Sektpullen sprudelten zum Entzücken der Damen nur so über. Zwischen lauthals grölenden und grunzenden Mittvierzigern, von Zigarettenrauchschwaden umnebelt, schwankte ich, nein nicht des Alkohols wegen, sondern in meinen Emotionen von belustigt zu entsetzt bis hin zu versuchter Gelassenheit.

Dies war sozusagen der Beginn unseres „jungen Leute“ Retreats in Vimaladhatu. Die „Dharma-Revolution“, wie Aryabandhu das Retreat genannt hatte, war offensichtlich dringend notwendig. Denn nichts macht mir mehr Bedenken, als dass junge Menschen Teil dieser ewigen Party- und Feiergesellschaft bleiben, aufgrund mangelnder Alternativen, die ihnen geboten werden.

Und zu genau einer dieser Alternativen, waren wir auf dem Weg. Wir, das sind:

Aryabandhu, ein deutsches Ordensmitglied, der aber seit langem in Padmaloka in England lebt, Sanghanistha, ein junger Mann des Ordens, der ebenfalls in Padmaloka lebt und arbeitet,

Singhamati, eine junge Ordensfrau aus Birmingham, die die Aktivitäten für junge Leute in England koordiniert und organisiert, Damian, ein junger Mann, der in einer buddhistischen Männer-WG in Birmingham lebt, Pramodya, ein Ordensangehöriger aus Esssen, der uns  am Wochenende mit seinen Kochkünsten verwöhnte, und ich (Judith).

Die bedenkliche Zugfahrt überstanden, kamen wir wohlauf in Vimaladhatu gegen Mittag an.

Ich muss dazu sagen, dies war für mich das erste Retreat, das ich mit organisiert hatte und begleiten würde. Dementsprechend war ich neben neugierig auch ziemlich aufgeregt. Auch bereits die Woche zuvor. Es gab 15 Anmeldungen, darunter sogar eine junge Frau aus Polen, die ich in England kennen gelernt hatte. Ich war damit zufrieden und freute mich auf ein kleines, beschauliches „junge Leute“ Retreat. Doch es kam ein bisschen anders. Bei unserem monatlichen „junge Leute“ Treffen am Sonntag (also fünf Tage vor Beginn des Retreats), erschienen einige neue Gesichter und zeigten sich ziemlich interessiert, als ich ihnen von unserem Event erzählte. Bis Montagabend ergab dies drei neue Anmeldungen. Im Laufe der Woche kamen weitere dazu, so dass ich am Donnerstagnachmittag auf stattliche 21 Personen kam, als ich die Teilnehmerliste durchging. In der Pause des offenen Abends am Donnerstag gab es dann noch einmal zwei junge Männer, die mich ansprachen, ob sie auch noch teilnehmen könnten! Das nenne ich spontan. Um es kurz zu machen: In Vimaladhatu beim Abendessen waren wir mit Team insgesamt 28 Leute zwischen 21 und 36 Jahren.

Und aus meinem beschaulichen Retreat wurde eines der besten meiner bisherigen Retreatlaufbahn! Es fällt mir ein bisschen schwer, die Atmosphäre dieses Wochenendes zu beschreiben. Sage ich, es war voll von Energie, könnte der Eindruck entstehen, es hätte keinen Rückzug, keine Ruhe gegeben. Nenne ich es tiefgehend, fehlt mir etwas die Leichtigkeit, die ich empfunden habe. Alles in allem war es ein sehr intensives Wochenende. Die Kontakte, die untereinander geschlossen wurden, das Gruppengeschehen, sowie besonders auch die Vorträge der Ordensmitglieder, waren in erster Linie von einer tief greifenden Offenheit und  Authentizität geprägt. Ich habe es als sehr überwältigend empfunden, wie offen absolut neue, junge Menschen uns an diesem Wochenende begegnet sind, vor allem auch unseren Ritualen gegenüber. So war es doch erstaunlich zu sehen, dass einige, die das Wort Puja vorher noch nie gehört hatten, doch den Wunsch äußerten, zum Schrein zu gehen und eine Kerze anzuzünden. Bei den Schreinbegrüßungen, sowie auch beim Mantrasingen, war eine Intensität im Raum zu spüren, dass ich neben einem Lächeln auf meinen Lippen auch eine kleine Gänsehaut am Rücken bekam.

Diese Energie, die wir alle dort spürten und genossen haben, trugen einige von uns noch eine Weile mit sich in die Alltagswelt. Und wie schön ist es, an einem Donnerstag Abend diese jungen Menschen wieder zu treffen und zu sehen, dass sie dieses Licht noch in sich tragen und ihre Freunde und Freundinnen mitbringen, um ihnen zu zeigen, wo ihr Strahlen herrührt und was sie für sich gefunden haben. Nämlich eine Dharma Revolution in ihrem Leben.

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